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Die Brauerei Giesinger und seine tausend Vertriebler in der Fläche

Toni Greim von Toni Greim
12. Mai 2026
in Bier
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Steffen Marx, Chef der Giesinger Brauerei, München

Steffen Marx, Chef der Giesinger Brauerei, München

INSIDE Future: Herr Marx, 8.000 Crowd-Investoren haben der Giesinger Bräu mehrere Millionen Euro Liquidität verschafft. Nun sollen sie auch noch dafür arbeiten.  

Steffen Marx: Wir sehen in der Community ein riesiges, bislang kaum genutztes Potenzial. Ich mach´s mal anschaulich: Wenn ich Fliesenleger brauche, habe ich bestimmt welche bei meinen Investoren dabei. Aber auch IT-Leute, Vertriebler, Netzwerker. Da haben wir uns gefragt, ob wir nicht generell die Community aktiver einbinden können.

Sie haben dafür eine App in der Entwicklung, deren Beta-Version zum 20jährigen Jubiläum im Juli 2026 starten soll. Wie wird die aufgebaut sein?

Im Grunde geht es darum, unsere Fans und Investoren zu dezentralen Markenbotschaftern zu machen. Die Leute kaufen ohnehin unser Bier im Handel. Warum sollten sie nicht vor Ort auch einfache Dinge übernehmen – etwa Regalpflege, Preiskontrolle oder Feedback an Marktleiter? Unsere Vorleistung besteht darin, dass das Ganze am Ende strukturiert abläuft. Und dass wir Anreize über Vergütungsmodelle schaffen.

Wie soll diese Vergütung konkret aussehen?

Es wird über ein Punktesystem laufen. Wer zum Beispiel Fotos von leeren Regalen macht, Preisauszeichnungen dokumentiert oder mit Marktleitern spricht, sammelt Punkte. Die lassen sich dann gegen Bier, Rabatte oder andere Vorteile eintauschen. Wir denken auch schon über eine „Bierakademie“ nach, also Schulungen zur Biergeschichte, Bierpflege oder Markenwissen. So entsteht auch ein spielerischer Wettbewerb, also Gamification.

Wie stellen Sie sicher, dass die Daten valide sind und niemand schummelt?

Die App ist GPS-basiert und mit unseren belieferten Märkten verknüpft. Wer meldet, dass ein Produkt fehlt, muss auch wirklich vor Ort sein. Es kann schon sein, dass ab und zu einer versucht, eine Abkürzung zu nehmen. Aber insgesamt trauen wir unserer Community und filtern die Daten vor, damit wir nur relevante Informationen bekommen.

Dann verlagern Sie den Außendienst in die Community.

Anfangs testen wir mit 20 bis 30 ausgewählten Nutzern. Realistisch gesehen rechnen wir langfristig mit etwa 500 aktiven Teilnehmern – das wären dann faktisch 500 zusätzliche „Vertriebler“ auf der Fläche. Im Vergleich zur klassischen Struktur ist das ein enormer Hebel!

Dabei haben die Crowdinvestoren ja schon mal bezahlt, um in den erlauchten Kreis aufgenommen zu werden. Jetzt müssen sie nur noch bei der Stange bleiben …

Unsere Investoren bekommen Sachzinsen, zum Beispiel Bierguthaben, und nach zehn bis zwölf Jahren ihren Einsatz zurück. Wichtig ist: Wir haben die Zinsen auch in schwierigen Zeiten immer zuverlässig ausgezahlt. Jetzt müssen wir überlegen, ob es Zusatzfunktionen mit Mehrwert gibt. Also zum Beispiel ein Jahresabo für – sagen wir 39 Euro. Das Ganze ist Teil unserer Digitalisierungsstrategie für 2026. Wenn es funktioniert, großartig. Wenn nicht, müssen wir es auch wieder einstellen können.

Nach mehreren Jahren mit Verlusten schrieb Giesinger 2024 erstmals einen Mini-Gewinn von 33.000 Euro – bei hohem Verlustvortrag aus den Jahren zuvor und einer illustren Runde aus Gesellschaftern, stillen Teilhabern und Crowd-Investoren. 2025 soll sich laut Angaben aus dem Unternehmen der positive Trend fortgesetzt haben. Bei einem Ausstoß von zuletzt 45.000 hl ist ein perspektivisches Wachstum zwischen sechs und neun Prozent kalkuliert. Durch Werk 2 der Brauerei im Münchner Stadtteil Milbertshofen werden rund 20.000 Besucher pro Jahr geschleust.

Steffen Marx, 48, ist Gründer, Mitgesellschafter und neben Jonas Seidl Mit-Geschäftsführer der Giesinger Biermanufaktur GmbH.

Toni Greim

Toni Greim

Head of INSIDE Future

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