Catherine Demeter, Chefin der Edith-Haberland-Wagner Stiftung und Augustiner-Gesellschafterin erläutert in INSIDE Future, welche Philosophie hinter der Stiftung steckt.
Die Wurzeln der Augustiner Brauerei: Kloster, Kultur und Kontinuität
Die Augustiner-Bräu Wagner KG ist nicht nur die älteste noch bestehende Brauerei Münchens, sondern auch ein Symbol für die Verbindung von Tradition und Qualität. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1294 zurück, als Mönche des Augustinerordens vor den Toren der Stadt ein Kloster gründeten. Kurz darauf entstand eine Brauerei – ein wirtschaftlich essenzieller Bestandteil des klösterlichen Lebens. 1328 wurde sie erstmals namentlich erwähnt. Eine urkundliche Brautätigkeit ist ab 1411 belegt, was Augustiner zum ältesten Münchner Handelsgewerbe macht. Die Augustinermönche belieferten über Jahrhunderte hinweg die Wittelsbacher Herzöge mit ihrem Bier, bis diese ab 1589 vom neu gegründeten Hofbräuhaus versorgt wurden.
Nach der Säkularisation 1803 wurde das Kloster aufgelöst und die Brauerei privatisiert und wurde bald darauf an die Familie Wagner übergeben. Die Wagners prägten das Unternehmen über Generationen hinweg. Mit dem Tod von Rudolf Wagner 1981 und dem Fehlen direkter Nachkommen gründete Edith Haberland-Wagner 1996 eine Stiftung, die heute über 50 % der Anteile an der Brauerei hält. Ihr Zweck: den Fortbestand als unabhängiges Privatunternehmen sichern und die traditionelle Braukultur bewahren.
Ein Bollwerk gegen Globalisierung und Beliebigkeit
Die Stiftung schützt Augustiner vor Übernahmen durch internationale Brauereikonzerne und bewahrt damit ein Stück Münchner Identität. Doch sie verfolgt weit mehr als wirtschaftliche Interessen. Unter der Leitung von Catherine Demeter, Urgroßnichte von Edith Haberland-Wagner und Mitglied der Wagner-Dynastie in siebter Generation, hat sich die Stiftung zu einem aktiven Förderer von Denkmalschutz, Umweltbewahrung und sozialem Miteinander entwickelt.
Exklusiv für INSIDE FUTURE beschreibt Catherine Demeter die Stiftungsphilosophie:
„Das Credo unserer Stiftung ist, dass Baudenkmäler mehr sind als nur alte Häuser. Vielmehr sind sie Teil unserer Geschichte und unserer Wurzeln, und diese gilt es zu ehren und zu bewahren. Nur wer seine Wurzeln kennt, kann eine nachhaltig gute Zukunft mitgestalten. Was wären unsere heutigen Städte, ohne die wundervollen alten Bauwerke, diese Zeugen der Geschichte, die eine derart einzigartige Atmosphäre schaffen? Der Umgang der Edith-Haberland-Wagner Stiftung mit historischen Baudenkmälern soll den Respekt vor unseren Traditionen widerspiegeln. Dies bedingt die aufwändige, denkmalgerechte Restaurierung verfallender Häuser mit viel Liebe zum Detail durch traditionell arbeitende Handwerker aus der Region.
Denkmalpflege mit Biergefühl
Diese Haltung zeigt sich besonders im Stiftungsgut Freiham (unweit der Augustiner-Abfüllanlage), wo verfallene Gebäude mit viel Liebe zum Detail durch regionale Handwerksmeister restauriert wurden und werden. Die Stiftung setzt dabei auf traditionelle Techniken und lokale Expertise.
„In unserem damals völlig desolaten Stiftungsgut in Freiham erleben wir, welche Freude diese Meister ihres Faches dabei haben, Teil eines so schönen Projektes sein zu dürfen. Sie sind tatsächlich stolz auf ihr Werk, das freut mich natürlich ganz besonders.“
UMSATZSTARKE ORTE STATT
MUSEALE KULISSEN
Die Stiftung versteht Denkmalschutz nicht als statische Bewahrung,
sondern als aktive Gestaltung. Für die Brauerei entstehen
Markentempel.
„Was hat man davon, wenn ein Baudenkmal einsam,
verlassen und ungenützt dasteht? Seinen besonderen
Zweck erfüllt es erst durch die Menschen, die es
nützen und sich daran erfreuen, sei es bei ihrer Arbeit
oder in der Freizeit. Wir gestalten jedes unserer Häuser
mit der Leidenschaft, etwas Einzigartiges schaffen
zu wollen. Diese Liebe zum Schönen und zum Detail
machen den Unterschied aus, den man spürt, ohne
den Aufwand, der dahintersteckt, meist auch nur zu
erahnen.Unser Erfolg ist die Liebe zu dem, was wir
tun, wenn wir etwas machen, dann richtig.“
MIT BEDACHT AUSGEWÄHLT
Die Entscheidung, ob ein Projekt umgesetzt wird, folgt klaren
Kriterien. Es geht darum, Orte zu schaffen, die sowohl zur Stiftung
als auch zur Gesellschaft passen.
„Natürlich überlegen wir uns vorher sehr gut, ob ein
Haus das Herz der Menschen berühren kann und
von ihnen angenommen wird. Auch wägen wir ab,
ob es zu uns und zu unserer Philosophie passt, und
ob wir letztere in dem jeweiligen Haus
auch gestalterisch zum Ausdruck
bringen können.“
BIERBOTSCHAFTEN FÜR
AUGUSTINER
Aktuelle Projekte wie die Restaurierung historischer
Gebäude am Kettensteg in Nürnberg, im
Alten Schloss in Bayreuth oder zuvor Objekte in
Köln, Dresden, Berlin, Erfurt, Stuttgart und vielen
anderen Städten fördern den Markenruf von
Augsutiner außerhalb des Kernmarktes.
„Unser Anspruch ist es, in einer
herausfordernden Zeit unseren
Mitmenschen einen einmaligen Ort
der Erholung, der Wertschätzung
und der Freude zu bieten, eine eigene
Welt, in die sie eintauchen und sich
eine Auszeit von ihrem hektischen
Alltag nehmen können, um wieder
Energie und Kraft zu tanken, wie
zum Beispiel auf unserem Stiftungsgut.
In Nürnberg direkt an
der alten Stadtmauer am Kettensteg
sowie in Bayreuth an dem heutigen
Harmoniehof restaurieren wir zurzeit
zwei wundervolle historisch bedeutende
Gebäude. Beide sind sehr
unterschiedlich und jedes in seiner
Art völlig einzigartig. Dies tun wir,
um die Menschen nur für ein paar
Stunden in eine andere, längst vergangene
Zeit zu entführen und sie
damit zu erfreuen. Das ist natürlich
sehr aufwändig, oft wäre es viel
einfacher, Gebäude niederzureißen.
Doch unser Stiftungsauftrag ist
es, diese herrlichen alten Bauwerke
in ihrem alten Glanz erstrahlen zu
lassen und mit Leben zu füllen.“
AUGUSTINER MACHT‘S MÖGLICH
Dass dieses Engagement möglich ist, verdankt die Stiftung
auch dem Absatz von rund 1,7 Millionen Hektolitern Augustiner-
Bier – insbesondere dem Dauerbrenner Augustiner Hell
und seinem auf rund 60.000 hl taxierten alkoholfreien Pendant.
„Es ist mir eine Freude, dass der Erfolg des Augustiner Hell
und des Augustiner Hell Alkoholfrei das denkmalpflegerische
Wirken der Edith-Haberland-Wagner Stiftung mit ermöglicht.“
VORSPRUNG DURCH
PURPOSE
Die Edith-Haberland-Wagner Stiftung
zeigt, wie unternehmerischer Erfolg und
gesellschaftliches Engagement miteinander
verbunden werden können. Sie setzt
ein Zeichen dafür, dass die Zukunft der
Gastronomie nicht allein in technischen
Innovationen liegt, sondern auch im
bewussten Umgang mit Geschichte und
Identität.
„Unser Anspruch an uns selbst
ist es, die Welt durch unsere
gemeinnützigen Taten und durch
die Rettung verfallender Häuser
ein bisschen schöner und die
Menschen damit glücklich zu
machen.“









