Getränkeland Heidebrecht-Gf Fabian Heidebrecht ist überzeugt, dass
es Getränkefachmärkte auch in Zukunft noch geben wird. Trotz eines angriffslustigen LEHs. Warum er auf händische Leergutannahme setzt und weshalb der Blick über den Getränke-Tellerrand notwendig ist, erzählt er im Interview mit INSIDE Future. Im Digitalen lässt der nicht filialisierte GAM Federn.
Herr Heidebrecht, der LEH übt mit Niedrigpreisstrategien Druck aus auf die Getränkefachmärkte in Deutschland. Wie groß ist die Gefahr?
Fabian Heidebrecht: Filialisierte Märkte wie die unseren wird es auch in Zukunft geben. Doch um mit den Großen Schritt zu halten, ist es wichtig, das Einkaufserlebnis permanent weiterzuentwickeln. Vor allem im digitalen Bereich trennt sich die Spreu vom Weizen. Es reicht nicht, das Filiallogo über die Eingangstür zu hängen.
Sie sind mit Ihren Märkten Teil des Rewe/GVG-Konzeptes “Getränkemarkt der Zukunft” – konnten Sie dieses Einkaufserlebnis auf diese Weise steigern?
Mit der GVG haben wir einen Regalierungsgrad von fast 100 Prozent erreicht. Und das breite, tiefe Sortiment hat dafür gesorgt, dass Kunden, die sich zu uns
verirrten, auch wiedergekommen sind.
Liegt jetzt der Feind in Ihrem Bett?
Durch die GVG-Kooperation ergeben sich Vorteile, klar. Die vielen Händler im Verbund bedeuten eine größere Abdeckung. Und natürlich partizipieren wir an den Rewe-Konditionen. Am Ende ist entscheidend, die Qualität unserer Märkte hochzuhalten. Erst dann können wir die Konditionen gemeinsam weiterentwickeln.
Profitieren Sie von den gleichen Konditionen wie Rewe selbst?
Wir bewegen uns auf einem hohen Niveau, das nicht weit davon entfernt ist. Und neben den Vermarktungskonditionen gibt es weitere Bereiche, in denen
wir durch die GVG profitieren. Etwa beim Einkauf von Investitionsgütern. Oder bei der Hubtechnik im Markt. Oder bei der elektronischen Preisauszeichnung. Im Zweifelsfall gibt es einen kleinen Aufschlag, aber allein würden wir da nie hinkommen.
Bei den Preisen werden Sie dennoch nicht mit LEH und Discount mithalten können.
Was mit den großen Biermarken passiert – das ist tiefrot, zu welchen Preisen der LEH da verkauft. Solche Mischkalkulationen können wir uns nicht leisten. Hinzu kommt, dass Endverbraucher jüngst immer mehr auf den Preis achten. Der Aktionsanteil des Umsatzes wächst entsprechend. Vor vier Jahren war das nicht so. Was den Preis angeht, können wir also maximal Akzente setzen. Unsere Stärke liegt im Sortiment.
Und was verkauft sich besonders gut?
Die Spirituose. Sie ist für uns eine Profilierungskategorie. Über die letzten fünf Jahre haben wir es geschafft, mehr anbieten zu können als LEH und Discount: Durchschnittlich haben wir in unseren Märkten 600 Spirituosen-Artikel im Sortiment.
Und was noch?
Tabak, den wir bei Lekkerland beziehen.
Ein Getränkehändler, der sich auf Tabak spezialisiert?
Die Nachfrage ergibt sich aus unserer Lage, denn hier im Norden wird mehr geraucht als woanders. Vor allem in den ländlichen Regionen. In der Regel haben wir 180 vermarktete Stellplätze.
Sie besitzen ein eigenes Logistikunternehmen. Wie setzen Sie sie für Ihre Fachmärkte ein?
Der eigene GFGH ist Gold wert. Wir sind dadurch komplett flexibel, was Sortimente angeht. Die Gastro ist kein Thema, der Fokus liegt auf unseren Märkten. Mit dem Onlinehandel und noch etwas Logistik für Coca-Cola sind wir gut ausgelastet.
Anders als viele Ihrer Kollegen setzen Sie bewusst auf Einweg…
Klar! Ich bin immer wieder erstaunt, wenn Händler sagen, dass sie kein Einweg anbieten. Ich finde, das muss man abdecken. Allein wegen der Dose, ohne die im Bereich Energy Drinks fast nichts geht.
Und die leeren Gebinde kann der Kunde wieder bei Ihnen einwerfen?
Wir setzen auf händische Leergutannahme.
Sie haben keine Leergutautomaten?
Nein. Bei uns kommt der Kunde mit seinem Leergut in den Laden und im Idealfall steht der Kassierer schon mit dem Leergut-Bon bereit und nimmt ihm die Kisten vom Wagen.
Schwierig, Personal dafür zu finden, oder?
Eine große Herausforderung, ja. Deshalb versuchen wir auch immer, ein Stück über Mindestlohn zu bleiben.
Ihre Märkte wurden im Zuge der GVG-Kooperation modernisiert. Welche Rolle spielt Digitalisierung?
Erst vor kurzem haben wir die Category Management Software von Hoffrogge eingeführt. Damit optimieren wir das Sortiment und die Regalbelegung standortindividuell und kitzeln Umsatz raus.
Bedeutet konkret?
Ein Spirituosenregal mit zwölf Metern Kontaktstrecke ist in jedem unserer Märkte anders belegt. In der Stadt liegt der Gin-Anteil bei 20 Prozent, folglich stehen dort 50 Gin-Artikel im Regal. Auf dem Land liegt der Anteil bei unter 5 Prozent. Dort wiederum ist die Nachfrage nach Korn höher. Diese standortindividuelle Nachfrage können wir nur softwaregestützt umsetzen.
Wie sieht es mit digitalen Plattformen aus? Sind Sie notwendig, damit der Fachmarkt in Zukunft noch mithalten kann mit dem LEH?
Click & Collect wird zentral sein. Und Apps mit Angeboten, Coupons und Payback-Verknüpfung. Das umzusetzen, ist teuer und häufig lässt der nicht filialisierte GAM hier Federn. Günstiger wird es in einer Kooperation, wie wir sie mit der Rewe/GVG haben. Bedeutet, wenn ein Händler bei digitalen Themen den Anschluss nicht verlieren will, muss er kooperieren. Dann wird es ihn auch in zehn Jahren noch geben.









