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Wer überleben will, muss Effizienzen verbessern. Doch wer gibt den Brauern noch Geld?

Toni Greim von Toni Greim
26. Mai 2026
in Bier
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Norbert Zierer, VBW Asset Trade

Norbert Zierer, VBW Asset Trade

Brauer müssen in Downsizing und Effizienzverbesserung investieren. Doch wer gibt ihnen noch das Geld dafür? Norbert Zierer von der VBW Asset Trade rät zu solider Mischfinanzierung.

INSIDE Future: Herr Zierer, viele Brauereien laborieren mittlerweile an Investitionsstau und bemitleidenswerter Eigenkapitalquote. Banken scheinen sich zurückzuhalten. Erleben wir gerade einen Strukturbruch in der Finanzierung der Branche?

Norbert Zierer: Die Banken sind tatsächlich deutlich vorsichtiger geworden. Das liegt nicht daran, dass einzelne Brauereien plötzlich schlechter wirtschaften, sondern an der Branche insgesamt. Der Biermarkt schrumpft – und damit  erhöht sich aus Sicht der Banken das sogenannte systematische Risiko, also das Branchenrisiko. Wenn eine Branche insgesamt rückläufig ist, wirkt sich das rechnerisch auf jedes einzelne Unternehmen aus, egal wie gut es geführt ist.

Früher galten Grundstücke, Gebäude oder Maschinen als ausreichende Sicherheiten. Reicht das heute nicht mehr?

Sachwerte helfen nach wie vor, sie vereinfachen Gespräche mit Banken. Aber sie sind nur ein Merkmal von mehreren. Am Ende geht es immer um um das Risiko der Banken– und dazu zählt die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens, auch vermehrt  die Bereitschaft der Eigentümer privat zu bürgen  Die klassische Trennung zwischen Unternehmens- und Privatvermögen funktioniert in der Praxis oft nicht mehr.

Viele Eigentümer haben in den wirtschaftlich guten Jahren hohe Entnahmen getätigt. Jetzt fehlt Eigenkapital für dringend notwendige Investitionen. Gibt es einen Punkt, an dem man rechnerisch sagen kann: Jetzt ist es zu spät?

Einen festen mathematischen Punkt gibt es nicht, das ist individuell zu kalkulieren. Jede Bewertung ist letztlich eine Schätzung mit einer Vielzahl an Parametern, die zu Unterschieden in den Ergebnissen führen. Man kann Prognosen erstellen, Szenarien durchspielen – aber es bleibt individuell. Ein weiterer Punkt ist aus meiner Sicht ein psychologisches Thema: Jahrzehntelang war Wachstum das zentrale Leitmotiv. Jetzt geht es in vielen Fällen um Downsizing, also um die Reduzierung der Chargengrößen auf einen optimalen Betriebspunkt. Und genau das fällt vielen extrem schwer.

Weil es nach Scheitern klingt?

 Diese Komponente spielt bestimmt auch eine Rolle. Dabei kann Downsizing betriebswirtschaftlich hoch sinnvoll sein. Es geht nicht um Stilllegung, sondern um Effizienz. Fixkosten sind ein zentrales Problem in Brauereien, da der Batch-Betrieb kapazitätsintensiv ist. Variable Kosten passen sich von selbst an. Wenn ich also Kapazitäten anpasse , hat dies direkt vorteilhafte Kostenauswirkung auf  Batch-Größen und damit auf Prozesse, Flächen, Energieverbrauch etc..

Viele Brauereien haben ihr Wachstum in den 2010er-Jahren über Leasing, Sale-and-Lease-back oder ähnliche Modelle finanziert. War das rückblickend ein Fehler?

Nein, per se nicht. Diese Modelle funktionieren – aber nur, solange stabile Gewinne vorhanden sind, denn Geld kostet Geld. Problematisch wird es, wenn Volumen und Erträge dauerhaft sinken und nicht vorausschauend investiert wurde. Dann können  jegliche Finanzierungen  in eine Schuldenfalle führen.

Wie sehen Sie alternative Fremdmittel: Beteiligungen, Investoren, stille Gesellschafter?

Das ist eine strategische Entscheidung. Kapital von außen bringt Liquidität – kostet aber unter Umständen unternehmerische Freiheit. Ein Investor kann aber auch Know-how, Vertriebskompetenz oder Produktionssynergien einbringen. Wichtig ist, dass die Interessen klar definiert sind. 50:50-Beteiligungen etwa funktionieren nur, wenn beide Seiten dauerhaft harmonieren.

In den vergangenen Jahren gehen immer mehr Brauereien ins Crowdfunding. Wenn es schiefgeht, dann ja am Ende vor allem für die Investoren. Bleibt diese Art der Finanzierung aus Ihrer Sicht für die nächsten Jahre ein gangbarer Weg?

Wenn die Voraussetzungen stimmen: ja. Juristisch ist das heute stark reguliert, meist handelt es sich um qualifiziert nachrangige Darlehen. Auch gibt es strenge Auflagen, damit der Verlust des Invests die Investoren im Ernstfall nicht  ruiniert. Trotzdem tragen sie ein Totalverlustrisiko für ihren Invest. Für Brauereien bedeutet es oftKapitalgenerierung ohne Mitspracherechte des Investors. Ein weiterer großer Vorteil ist die emotionale Komponente. Fans investieren oft nicht primär wegen der Rendite, sondern aus emotionaler Verbundenheit, zudem handelt es sich um relativ viele, verschiedene Kleininvestoren. Eine Crowd bringt viel Feedback und hat neben dem Kapital auch viele weitere Vorteile.

Ich nehme Ihnen ab, dass das für urbane Marken wie Giesinger funktioniert – aber auf dem Land? Bei Familienbrauereien?

In der Stadt funktioniert es über Reichweite und Community. Auf dem Land über persönliche Beziehungen. Eine Brauerei mit 2.000 Hektolitern kann nach meiner Einschätzung sehr wohl Kapital einsammeln – wenn sie ihre Geschichte erzählt, Menschen einbindet und konkrete Gegenleistungen anbietet: Events, Braukurse, Feste, persönliche Einblicke.

Unterschätzt wird ja immer noch der Bereich öffentliche Fördermittel …

Völlig zu Unrecht! Es gibt heute wirklich eine riesige Zahl an Förderprogrammen: für Energieeffizienz, Innovation, Strukturförderung, Digitalisierung, Start-ups. Manche Unternehmen beschäftigen eigene Mitarbeiter ausschließlich für die Generierung von Fördermitteln. Das Problem ist nicht der Mangel an Geld, sondern der Mangel an Wissen darüber.

Wie sollte aus Ihrer Sicht eine zukunftsfähige Finanzierung aussehen?

Als Mischfinanzierung. Verschiedene Kapitalgeber aus Eigenkapital, Fremdkapital, öffentliche Mittel – idealerweise kombiniert. Diversifikation ist nicht nur im Produktportfolio sinnvoll, sondern auch in der Finanzierung. So puffert man Risiken besser ab und erhöht die eigene Verhandlungsmacht.

Norbert Zierer bewertet mit der VBW Asset Trade Weihenstephan GmbH u.a. Immobilien, Grundstücke und Unternehmenswerte und handelt mit Anlagen aus der Brau-, Getränke-, Lebensmittelindustrie. Im Seminar Weihenstephaner Unternehmertag im September 2026 werden die hier angeschnittenen Themen wieder in den Mittelpunkt gestellt.

Toni Greim

Toni Greim

Head of INSIDE Future

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